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Offene Protest Brief an NDR

 Avrupa Dersim Dernekleri Federasyonu

Köln den, 24.12.2007


Sehr geehrte ARD/NDR-Redaktion, sehr geehrte Verantwortliche,

über die Ausstrahlung der Tatort-Reihe „Wem Ehre gebührt" am Sonntag 23.12.07 sind wir als Föderation der Dersim Gemeinden in Europa e.V. regelrecht entsetzt. Trotz zahlreichen Protesten und Empörung von nicht nur alevitischer Seite wurde die Folge dennoch ausgestrahlt und die Lebensgemeinschaft von uns Aleviten mit nicht vertretbaren Handlungsweisen in Verbindung gebracht. Der gesamte Film, der auf Unwahrheiten und Klischees aufgebaut ist, bekräftigt drei Vorurteile bzw. Verleumdungen gegenüber uns Aleviten, die absolut inakzeptabel sind.
Folgende Hauptvorwürfe werden durch das Szenario konkludent gemacht bzw. bekräftigt:

• Aleviten und Inzest: eine sehr alte und verbreitete Verleumdung von Seiten der fundamentalistischen Kreise Anatoliens gegen die alevitische Gemeinde, die teilweise sogar bis nach Europa und damit auch nach Deutschland getragen wurde.

• die zweite Erschütterung ist, dass in dem Film der sunnitische Glaube mittelbar als der wahre islamische Glaube dargestellt wird, indem die Aleviten hier als eine nicht muslimische Erscheinung dargestellt werden, für die das Essen von Schweinefleisch als legitim erscheint.

• als Krönung konvertiert das missbrauchte alevitische Mädchen infolge der Vergewaltigung zum sunnitischen Islam, verschleiert sich und beginnt fünf Mal am Tag zu beten. Sie begründet in der Geschichte ihre Verschleierung damit, dass das ein "Schutz" sei.
Man kann das so interpretieren, dass der wahre Glaube der sunnitische Islam sei und vor dem Zerfall und sexuellen Angriffen schütze, eine Sicherheit und einen Schutz insbesondere für Frauen gewährleistet, die der alevitische Glaube nicht geben kann.

Mit dieser Folge haben die Regisseurin Angelina Maccarone und die anderen Verantwortlichen nicht nur bestehende Vorurteile untermauert, zugleich ist es ihnen auch gelungen, ein falsches und negatives Bild über uns Aleviten zu vermitteln.

In Folge von eingebrachten Reaktionen der in Deutschland lebenden Aleviten und ihren Organisationen wurde zu Beginn die Stellungnahme eingeblendet, dass es sich dabei um eine fiktive Geschichte handeln würde und es nicht darum ginge, Vorurteile gegen die alevitische Gemeinde zu verbreiten. Jedoch hat dies nichts am empörenden Inhalt des Krimis geändert.
Selbstverständlich respektieren wir als eine Gemeinschaft, die die Prinzipien der Demokratie verinnerlicht hat und als höchstes Gut betrachtet, die Kunstfreiheit bzw. die Pressefreiheit. Doch diese Akzeptanz hört dann auf, wenn eine friedliche Glaubensgemeinschaft mit etwa 700.000 in der BRD lebenden Glaubensangehörigen von einem öffentlich-rechtlichen Sender dermaßen verunglimpft wird.
Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Gesellschaft nicht viel über das Alevitentum und deren Lebensphilosophie weiß, kann das zu erschreckenden Schlussfolgerungen führen. Dabei basiert die gesamte Glaubensauffassung im Alevitentum auf Toleranz, Respekt und Friedfertigkeit. Zynisch und grotesk ist es deswegen, dass gerade Aleviten als friedliebende und humanistische Lebens -und Glaubensgemeinschaft, für diese Filmszenen auserkoren worden sind. Weiterhin können wir es nicht fassen, dass Herr Kurtulus mit seinem alevitischen Hintergrund bei solch einem Drehbuch mitgewirkt hat.
Trotz der tragischen Vorkommnisse hoffen wir, dass es sich bei der besagten Inszenierung nicht um eine intentionale Manipulation handelt, die unter dem Einfluss bestimmter Kreise entstanden ist.

Wir bitten Sie, auch im Namen des gesellschaftlichen Miteinanders in Deutschland, Ihre schlecht recherchierten Informationen zu überarbeiten und sich bei Ihren alevitischen Zuschauern in aller Form zu entschuldigen. Wir hoffen, dass Ihr Sender nicht noch einmal für solch ein Drehbuch eine Plattform bietet. Egal welche Lebensgemeinschaft damit auf vermeintlich fiktive Art und Weise belangt wird, dürfen sich solche Filmszenen nicht wiederholen. Wir betrachten es als außerordentlich bedauerlich, dass sich die Serie Tatort durch diese Unachtsamkeit disqualifiziert hat.

Weiterhin fordern wir Sie hiermit mit aller Höflichkeit auf, eine Sendung über das Alevitentum vorzubereiten und auszustrahlen, in der über die Auffassungen und Lebensweise dieser Glaubensgemeinschaft informiert und aufgeklärt wird.

Mit der Bitte um Stellungnahme


Föderation der Dersim Gemeinden in Europa e.V. (FDG)

FDG Vorsitzender
Yasar Kaya


 



 

 

   
 
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