Das Volk der Zazas und Heutige Situation der Zazas
Makale yazari: www.dersim-darmstadt.de' ra neql Tarih, gün ve saat : 30. Temmuz 2007 05:22:01:
Das Volk der Zazas
In der Türkei leben viele verschiedene Völker. So gibt es Araber, Armenier, Tschetschenen,Laz, Kurden und viele andere, darunter auch das Volk der Zazas. Im Osmanischen Reich undinsbesondere in der Türkischen Republik wurde aber die kulturelle Entwicklung der einzelnen Völker unterdrückt, den einzelnen Völkern wurde die Kultur und Sprache der Teilgruppe derTürken aufgezwungen. Die Zazas werden in der Türkei nicht als eigenständiges Volk anerkannt. Aber sozio- undethnolinguistische Untersuchungen haben ergeben, dass die Zaza sich von den Kurden,Persern, Armeniern und Türken unterscheiden. Die Sprache der Zazas gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und ist mit dem Persischen und Kurdischen verwandt, wie etwa Deutsch mit Englisch oder Dänisch verwandt ist. Der deutsche Sprachforscher Oskar Mann schrieb im Jahre 1906, "dass die Sprache der Zaza nicht, wie bis dahin angenommen, ein kurdischer Dialekt, sondern eine eigenständige Sprache ist.“ Siedlungsgebiet der Zazas Woher stammen die Zazas? Wo haben sie ihre Heimat? Die Zazas sind in der Region Dersim beheimatet. Das Gebiet von Dersim liegt geografisch in Ostanatolien an der Wasserscheide der beiden biblischen Flüsse Euphrat und Tigris innerhalb der Grenzen der heutigen Türkischen Republik. In der nachfolgenden Grafik ist das Gebiet Dersims abgebildet: Die Landschaft Dersims ist gebirgig, teilweise bewaldet und auch teilweise karstig. Eswechseln sich fruchtbare Niederungen mit viel Grün, reizvolle Flusswindungen und gebirgiges Ackerland einander ab. Von großer Wandelbarkeit sind auch die Jahreszeiten. Soblühen im Frühling allerorts die Bäume, während sich ein duftender Blumenteppich ausbreitet. Die Sommer sind sehr heiß, aber wegen der Gebirgslage auch trocken und daherauch angenehm. Die Winter wiederum sind sehr kalt und nicht selten liegt meterhoher Schnee. Das Leben der meisten Menschen in Dersim ist entbehrungsreich und hart. Sie sind auf die Landwirtschaft mit ihren Ackerböden angewiesen, die nur wenig Ertrag abwerfen. Und dochlieben die Zazas die Landschaft Dersims, die den Menschen soviel abverlangt. Noch heute fahren sehr viele Zazas, die in Mitteleuropa ihre zweite Heimat gefunden haben, im Urlaub in die Region Dersim. Völkermord an den Zazas 1937/38 Jedes Volk hat in seiner Geschichte tiefe einschneidende Ereignisse, die mit bestimmten Jahren verknüpft sind. Für die Deutschen sind z.B. die Jahre 1914, 1933, 1945 und 1989 vongroßer Bedeutung. Für uns Zazas ist das Jahr 1938 ein Wendepunkt unserer Geschichte. Dersim wurde von keiner in der Region herrschenden Dynastien bis in die zweite Hälfte des19. Jahrhunderts kontrolliert und verwaltet. Denn das Gebiet Dersims war viel zu unwegsam, als dass eine Kontrolle durch Militär und Verwaltung zentral hätte aufgebaut werden können.Das Volk der Zazas gliederte sich in mehrere Stämme mit eigenen Stammesfürsten. Bis 1935/36 blieb die Region Dersim eine autonome Region. Dies war der türkischen Regierung ein Dorn im Auge. So forderten die Militärs: „Dersim ist das Geschwür unseres Landes und muss beseitigt werden. Die Menschen, die dort leben, sind Verräter und Ungläubige.“ Die Angriffe gegen die Bevölkerung in Dersim wurden systematisch vorbereitet. Eine telegrafische Anweisung des türkischen Staatsgründers Atatürk lautete, dass man große Teile der Bevölkerung „kaufen“ solle, genügend Geld sei ja vorhanden. Es kam schließlich zu einigen Vorfällen zwischen Einheimischen und den Militärs. So wurdez.B. eine von Soldaten errichtete Brücke niedergebrannt. Diese Vorfälle wurden vom Militärals Vorwand benutzt, um hart gegen die Stammesführer und die Zazas vorzugehen. Sorückten die Soldaten ins Innere Dersims und töteten dabei systematisch die Bevölkerung und brannten die Dörfer nieder. Einige Stammesführer, darunter auch der 78-jährige Seyid Riza,leisteten den türkischen Angriffen Widerstand. Im Winter 1937 zogen sich die Soldaten wieder zurück. Im Sommer 1938 aber startete das türkische Militär eine große Offensive. Dabei wurden die Dörfer auch aus der Luftbombardiert. Die Dörfler wurden zusammengetrieben und mit Maschinengewehrenniedergemäht. Es gelang den Militärs, auch mit Hilfe von Bestechungen und falschenVersprechungen den Widerstand der Stammesführer zu brechen. Der greise Seyid Riza wurde verraten, verhaftet und ohne Prozess erhängt. Insgesamt wurden bei dem Massaker 70000 Menschen getötet; viele Menschen wurden in die westliche Türkei deportiert.
Heutige Situation der Zazas
Wie hat sich die ökonomische, politische und soziale Situation der Zazas seit 1938 entwickelt? Die Bilanz ist ernüchternd: So gehören die Gebiete der Zazas zu den am stärksten unterentwickelten in der Türkei. Das Pro-Kopf-Einkommen ist in der Stadt Tunceli und Umgebung sehr viel niedriger als z.B. in Istanbul oder in den touristisch erschlossenen Regionen im Süden des Landes. Die Region Dersim ist verkehrs- und energiepolitisch nurunzureichend entwickelt. Elektrizität wird im Osten zwar erzeugt, aber in industriellerschlossene westliche Gebiete der Türkei geleitet. Fehlende Elektrizität, eine mangelhafte Gesundheitsversorgung, eine unzureichende Trinkwasserversorgung (nur in einem Drittel der Dörfer) und, was besonders für die Zukunft schwer wiegt, fehlende Bildungsmöglichkeiten prägen noch heute das Leben der Landbevölkerung.
Die Region Dersim durchlebte auch nach 1938 schwere und unruhige Zeiten. In den 70erJahren kam die Studentenbewegung auf, es bildeten sich viele verschiedene linke Gruppen,die sich z.T. gewaltsam bekämpften. In den 80er Jahren geriet die Bevölkerung Dersims im Krieg des türkischen Staates mit derPKK zwischen die Fronten. Die PKK forderte Nahrungsmittel, Hilfe sowie junge Menschenfür die Guerilla. Das Militär seinerseits setzte die Bevölkerung unter Druck. Es kam zu Übergriffen des Militärs, unschuldige Menschen wurden bedroht, verhaftet und gefoltert, Häuser wurden durchsucht und in Brand gesetzt. In dem Krieg gegen die PKK wurden die Dörfer systematisch zerstört und die Dorfbewohner vertrieben. Es wird geschätzt, dass im Verlaufe dieses Krieges insgesamt 3 bis 5 MillionenMenschen (Kurden, Zazas, Assyrer und Yeziden) vertrieben wurden und Zuflucht im Westender Türkei, in den Slums der östlichen Großstädte wie Diyarbakir oder in Westeuropa fanden. Auch nach dem faktischen Ende des Guerilla-Krieges ist die Situation der Bevölkerung in Dersim beunruhigend. So besteht nach wie vor in Tunceli und Umgebung eine starkemilitärische Präsenz mit häufigen Personenkontrollen. Es ist auch ein riesiger Staudamm inder Region von Dersim geplant. Dieser würde dazu führen, dass sehr viele Dörfer gegen denWillen der Menschen evakuiert werden müssten. Wichtige Wallfahrtsstätten und Kulturschätze wären unwiederbringlich verloren. Ist das alles? Nicht ganz. Es gibt nämlich in den letzten Jahren einige wenige Lichtblicke. DenMinderheiten in der Türkei wurden größere Freiheiten eingeräumt. So sind z.B. Musik undLiteratur in Zazaki, der Sprache der Zazas, erlaubt - unter Auflagen versteht sich. Dies führtedazu, dass die Veröffentlichungen von Zaza-Künstlern rasch zunehmen. Besondere Impulseerfährt die Kultur der Zazas durch die in Westeuropa lebenden Auswanderer und Künstler, diesich ihrer Heimat noch besonders verbunden fühlen. Ein großer Erfolg ist auch das seit 2000 stattfindende Munzur-Festival, das alljährlich im August viele Menschen anzieht. Zu denletzten Konzerten zazasprachiger Sänger strömten in den vergangenen Jahren 30000 bis50000 Menschen.
Literarische Hinweise An dieser Stelle möchten wir auf zwei Veröffentlichungen in deutscher Sprache hinweisen,denen die vorangegangene Darstellung viel verdankt: Hakki Cimen: „Große Narren, Erzählungen“, 2002 Kahraman Gündüzkanat: „Die Rolle des Bildungswesens beim Demokratisierungsprozess inder Türkei unter besonderer Berücksichtigung der Dimli (Kirmanc-, Zaza-) Ethnizität“, Diss,1997 Weitere InformationenDie nachfolgenden Internet-Seiten informieren über Dersim und die Zazas, wobei angemerktsei, dass die Kulturgemeinde Dersim e.V. nicht für den Inhalt der Seiten verantwortlich zeichnet: www.dersimweb.de, www.zazaki.de , www.zazaki-institut.de