Avrupa Dersim Dernekleri
Federasyonu
Dom Meydanında Buluşalım
30 Aralık Pazar günü Köln’de yapılacak olan protesto
gösterisine Avrupa Dersim Dernekleri Federasyonu olarak
katılacağız. Anadolunun farklı milliyetlerinden
Alevilerin haykırışına biz de Dersim’in sesiyle
katılacağız.
Anadolu’da, Aleviler farklı inanç ve yaşam
tarzlarından ötürü yüzlerce yıldır kıyıma uğruyor ve
iftiralara maruz kalıyorlar. Alevi Inanç merkezleri
resmi olarak tanılmıyor, zorunlu din dersi ile Alevi
çocukları asimile ediliyor, Alevilere, Sunni İslam
anlayışı dayatılarak camilerde çağrılıyor.
NDR’de yayınlanan “Wem Ehre gebührt” yüzlyıllardır
Alevi kıyımlarına, inkarına ve asimilasyonuna zemin
hazırlayan bu iftiraları adeta haklı çıkarır nitelikte
olması, çare olarak da Sunni İslam’ın ve türban’ın
gösterilmesi kabul edilemez. NDR televizyonu Aleviler`den
özür dileyip, hatalarını telafi ettirecek tanıtıcı
programlar yapmadığı sürece demokratik tepkilerimiz
devam edecektir.
Bütün Dersimlileri 30 Aralık 2007’de Dom Meydanında
yapılacak protesto gösterisine katılmaya, demokratik,
barışçıl bir tarzda tepkilerini dile getirmeye
çağırıyoruz.
Avrupa Dersim Dernekleri Federasyonu
Der Vorwurf der Volksverhetzung trifft mich sehr“
27. Dezember 2007 Für den Kinofilm „Vivere“ ist
Angelina Maccarone gerade gefeiert worden. Aber ihr „Tatort“
beschwört unter den in Deutschland lebenden Aleviten
ungewollt eine politische Kontroverse herauf. Mit der
Regisseurin sprach Michael Hanfeld.
Frau Maccarone, Ihr „Tatort. Wem Ehre gebührt“ wird von
der alevitischen Gemeinde in Deutschland massiv
angegriffen. Überraschen Sie die Vorwürfe?
Das hat mich sehr überrascht, im negativen Sinne
natürlich.
Ihre Geschichte handelt von Vergewaltigung in der
Familie. Die Tragödie könnte in jeder Familie spielen,
aber es ist in diesem Fall eine türkische, eine
alevitische Familie. Wie haben Sie diese Geschichte
entwickelt?
Es ging darum, eine Kriminalgeschichte zu entwickeln,
die in einer türkischen Familie spielt. Ich wollte die
Klischees vermeiden, die häufig eine Rolle spielen, wenn
es um das Thema „Ehrenmord“ geht. Nicht, dass ich denke,
dies sei kein wichtiges Thema. Aber ich wollte ein
Familiendrama erzählen, das in jeder Nationalität
vorkommen kann. Ich hatte mir vorgenommen, mit dem
Klischee zu brechen, dass die türkischen Migranten in
Deutschland eine einzige, homogene Gruppe seien, und
wollte stattdessen aufzeigen, dass es verschiedene
türkische Gruppierungen gibt und darin wiederum
Individuen, die nicht unbedingt den Erwartungen der
eigenen Gruppierung oder Familie entsprechen. Dies
handelt der Film durch die Kommissarin ab, die zunächst
nicht versteht, was in der Familie vor sich geht. Ich
wollte nichts simplifizieren, sondern die
Vielschichtigkeit türkischen Lebens in Deutschland
zeigen. Dabei geht es mir ganz besonders um die
einzelnen Menschen als Individuen. Das wird vielleicht
deutlich an den sehr unterschiedlichen Figuren des
Täters und des Kommissars, sie sind ja beide Aleviten.
Mir ging es bei der Kriminalgeschichte natürlich auch
darum, erst einmal ein paar falsche Fährten zu legen.
Der Hintergrund des Vorwurfs, der Ihrem Film gemacht
wird, dürfte den meisten nicht bekannt sein: Dass den
Aleviten von Sunniten von jeher der Vorwurf gemacht wird,
sie hätten – weil bei ihnen Frauen und Männer
gleichberechtigte gesellschaftliche Rollen spielen –
eine laxe Sexualmoral und betrieben „Inzest“.
Ich bin bei meinen Recherchen leider nicht darauf
gestoßen, dass den Aleviten seit dem Mittelalter von den
Sunniten ausgerechnet der Vorwurf des Inzestes gemacht
wird und dass sie in dieser Weise stigmatisiert werden.
Es war nicht meine Absicht, Vorurteile, die in diese
Richtung gehen, in irgendeiner Weise zu unterstützen.
Können Sie den Vorwurf, Ihr Film spiele quasi den
Fundamentalisten in die Hände, nachvollziehen?
Nein, das kann ich in dieser Form nicht
nachvollziehen. In dem „Tatort“ wird an keiner Stelle
gesagt, die Welt müsse sunnitisch werden und dann sei
alles in Ordnung. Der Mann, der zur Aufklärung beiträgt,
ist ebenfalls Alevit. Die positiven Merkmale des
alevitischen Glaubens kommen zur Sprache – die
Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau beispielsweise.
Ich wollte weder Aleviten noch Sunniten beurteilen, noch
gar verurteilen. Die verschiedenen Glaubensrichtungen
des Islams sind nicht das treibende Motiv für die Tat.
Doch wie ist es mit der Rolle der jüngeren Schwester,
die sich unter das Kopftuch flüchtet, um den Übergriffen
des Vaters zu entkommen?
Dieses Mädchen ist verzweifelt und sucht in alle
Richtungen Schutz. Sie sucht zunächst bei der Schwester
Schutz, die auch Alevitin ist und auf die Barrikaden
geht – und das mit dem Leben bezahlt. Dann sucht das
Mädchen Schutz bei dem Mann ihrer Schwester und unter
dem Kopftuch. Doch das ist eine Verzweiflungsaktion,
Schutz zu suchen in der Verhüllung – die den Schutz
schließlich auch nicht bietet.
Letztlich sucht das Mädchen Schutz bei der deutschen
Kommissarin, die ihn – aus Unkenntnis – auch nicht
richtig bieten kann. Ich werfe die Frage auf, wie damit
umgegangen wird, dass dieses junge Mädchen ungewollt
schwanger geworden ist, durch sexuellen Missbrauch. Die
Tabuisierung dieses Themas ist der Kern der Geschichte.
Das junge Mädchen weiß nicht, wie sie sagen soll, was
ihr widerfährt und – wem sie es sagen soll. Insofern
könnte ein positiver Effekt dieser Geschichte – deren
Wirkung ich mir wirklich nicht gewünscht habe – sein,
dass nun über dieses Thema, über den Missbrauch in der
Familie gesprochen wird.
Sie wollen mit den Kritikern der alevitischen Gemeinde
sprechen. Zugleich gehen diese massiv auch persönlich
gegen Sie vor. Es gibt Demonstrationen und eine Anzeige
wegen Volksverhetzung? Da scheint ein Dialog schwer
möglich.
Dem Vorwurf der „Volksverhetzung“ ausgesetzt zu sein,
trifft mich wirklich mehr, als ich sagen kann, weil es
das Gegenteil von dem ist, was ich wollte. Auch die
Drohungen, die offenbar gegen mich eingegangen sind,
lassen mich nicht kalt. Ich versuche zu sehen, dass sich
hier an meinem „Tatort“ etwas entzündet, dem alte
Stigmata zugrunde liegen, und es wäre gut, diese aus dem
Mittelalter stammenden Vorwürfe endlich zu bannen und
sich der heutigen Lebenswirklichkeit zuzuwenden. Ich
habe trotz allem die Hoffnung, dass miteinander reden
hilft zu erkennen und zu unterscheiden, wo alte
Verletzungen vielleicht die Sicht zunächst dergestalt
trüben. Deeskalation ist besser, als Öl ins Feuer zu
gießen, denn damit ist niemandem gedient.
Die Fragen stellte Michael Hanfeld.